Tee-Zeremonie: Wie trinkt man den Tee in Ostfriesland?

"Aber jetzt bitte ich um Silentium!" – Tante Theda hielt Swantje ihre Tasse entgegen, in die sie bereits einen Brocken Kandiszucker getan. Das Silentium brauchte sie, um zu hören, was für ostfriesische Ohren Sphärenmusik ist, das feine Klirren, den silbrig zarten Sprung mit dem dieser Kandiszucker, der Kluntje, beim Eingießen des heißen Tees hörbar in Stücke ging...

Am Ehrentisch war mit altem Porzellan, kleinen Tassen mit einer Rose am Grunde gedeckt. Auf den Abstelltischen standen mehrere Stövchen, Rechauds, zum Warmhalten der Kannen. Zwei waren aus durchbrochenem Messing, eines aus Silber. Aus einer ebenfalls rosenbemalten Kanne versorgte Swantje den Ehrentisch. Der Tee war schwarz wie Mokka. Der Baumeister aus Emden schob der Tante die Silberschale mit der dicken süßen Sahne zu. Ein kleiner Schöpflöffel mit gebogenem Filigrangriff diente zum Nehmen... Sie hatte die Sahne vorsichtig langsam vom Rand aus in den Tee gleiten lassen, es bildeten sich die vorschriftsmäßigen Wülkje, wolkige Aufhellungen. Erst dann rührte man um, und nun der erste Schluck. Köstlich...

So beschreibt die Östereicherin Rose Planner-Petelin, der Ostfriesland zur Wahlheimat geworden ist, in einer kleinen Romanze unter dem Titel "Grootehus" eine Teezeremonie in einer bäuerlichen Familienrunde. (aus dem Buch "das Buch vom ostfriesischen Tee", J. Haddinga, S.86/87)

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